Anti-Aging
Die etablierte klassische Medizin behandelt vorwiegend Erkrankungen, die entweder akut entstanden sind oder nach schleichender Entwicklung plötzlich mit zunehmenden Lebensalter auftreten und Beschwerden machen. Die Anti-Aging-Medizin ergänzt hier durch medizinisch begrün- dete Maßnahmen, die zur Gesunderhaltung beitragen und frühzeitig das Entstehen der alterstypischen Erkrankungen verhindern oder zumindest abschwächen sollen. Im Idealfall handelt es sich beim Anti-Aging um eine Präventivmedizin, es hilft aber auch da, wo die Alterungsprozesse schon fortgeschritten sind. Das Ziel ist, vorzeitige Alterungsprozesse beim Menschen zu verzögern, aufzuhalten oder gar umzukehren. Dies bedeutet im Einzelnen:
Erkennung von gesundheitlichen Risiken für die Entwicklung von Herzinfarkt, Schlaganfall, Osteoporose, Demenz, Krebserkrankungen und deren gezielte Prävention. Ein weiteres Ziel ist die Herstellung der optimalen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
Eine "Wunderkur" ist auch in der Anti-Aging-Medizin nicht möglich.
Zu einer Anti-Aging-Beratung gehört eine genaue Diagnostik mit entsprechenden Fragen (Anamnese) zum Lebensstil (Ernährung, körperliche Aktivität, Sport, Genussmittel, Stress, psychosoziale Situation), ausführliche Familienanamnese (im Blick auf die familiären Risiken) und eine ausführliche Gesundheitsdiagnostik, mit der man die funktionelle Gesundheit unterschiedlicher Organbereiche (Muskulatur, Herz-/Kreislaufsystem, Lungenfunktion, Gehirnfunktion, Gelenke, etc.) sowie des Hormonsystem und des Oxidationsstatus im Blut exakt bestimmen kann.
Die Anti-Aging-Therapie besteht aus einer Kombination von individueller Ernährungsberatung, bei Übergewicht Gewichtsminderung, Sport- und Fitnessprogramm, spezifischen Trainingsprogrammen für das Gehirn und ausgewähltes Stressmanagement. Ferner kommt je nach Befund die Verordnung von Vitamin- und Mineralstoffsubstitution, Antioxidantien sowie gezielte Hormon- oder Pharmakotherapie in Betracht.
Warum werden wir älter?
Ob genetische Disposition oder langsam entgleisende biochemische Prozesse, hormonelle Fehlsteuerungen oder schlichte Abnutzung, belastender Lebensstil oder falsche Ernährung, programmierter Zelltod oder Autoimmunreaktionen: die Prozesse des Alterns lassen sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Vieles läuft parallel und in sich gegenseitig verstärkenden Wechselwirkungen ab.
Vereinfacht lassen sich vier wesentliche Aspekte des Alterns unterscheiden:
- Altern durch Lebensstil
Wir selbst können viel dazu beitragen, Belastungen richtig zu dosieren, auch solche, die uns umgeben. Als Beispiele seien hier zu viel Radioaktivität, UV-Licht, Chemikalien, zu starke familiäre, sportliche und berufliche Dauerbelastungen, erhebliche Mengen von Genussmitteln wie Nikotin, Koffein und Alkohol, andererseits aber auch Mangelzustände bei Ernährung, Schlaf und Bewegung genannt. - Genetisches Altern
Niemand kann sich seine Vorfahren aussuchen. Wo aber vererbte Gesundheitsrisiken erkannt werden, können sie vorbeugend günstig beeinflusst werden. Bekannte Beispiele sind hohe Blutfett- oder Harnsäurewerte, die keinesfalls bagatellisiert werden dürfen. - Biochemisches Altern
Wir erkennen heute, dass viele biologische Abläufe auf unterschiedlichste Weise gefährdet sind: Im Vordergrund stehen schädliche freie Sauerstoffradikale, aber auch enzymatische Prozesse wie eine zu starke Vernetzung von Glukose und Pro- teinen. Weitere Deregulierungen kommen hinzu, die dazu führen, dass die Stütz- und Steuerungssysteme unseres Organismus entgleisen. - Hormonelles Altern
Auffällig ist auch der kontinuierliche Abfall vieler Hormone ab etwa dem 25. Lebensjahr. Die Folgen sind deutlich: Ohne behutsamen Ausgleich welken und schrumpfen Haut und Organe, der Muskel- und Knochenaufbau lässt nach, das Immunsystem wird schwächer, Leistungsfähigkeit und Vitalität nehmen ab.
Auf die ersten Symptome achten
Wer sich in zunehmendem Maße ausgelaugt, müde oder verstimmt fühlt, hat guten Grund, einmal einen Spezialisten zu konsultieren. Nicht selten nämlich sind dies erste Anzeichen dafür, dass wichtige Steuerungs- systeme des Körpers aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Wer frühzeitig damit beginnt, geeignete Maßnahmen gegen die verschiedenen Alterungsprozesse einzuleiten, kann sich viel ersparen - Beschwerden, Unannehmlichkeiten, aber auch Kosten.
Denn wenn erst einmal die ersten Krankheitszeichen wie beispielsweise Bluthochdruck, Herzbeschwerden, Rücken- und Gelenkschmerzen, Durchblutungsstörungen, Atemnot oder ähnliches - auftreten, wenn degenerative Prozesse chronisch geworden sind, wird es wesentlich aufwändiger "das Steuer noch einmal herumzureißen".
Die ganzheitliche Sicht
Auch in der klassischen Medizin gewinnen Früherkennung und Vorsorge immer mehr an Bedeutung. Dabei stehen gewöhnlich einzelne Krank-heitssymptome im Vordergrund. Die Anti-Aging-Medizin denkt jedoch grundsätzlicher: Ihr geht es um bessere Lebensqualität und verlängerte Lebenserwartung, die erst unter Berücksichtigung aller Systeme zu erreichen sein wird.
Altern als Schicksal
Auch wenn wir heute noch nicht in der Lage sind, die komplexen Phänomene des Alterns vollständig zu verstehen, so haben uns die Wissenschaften doch schon gewaltige Fortschritte beschert: Ein Baustein nach dem anderen ist entschlüsselt, und unser Verständnis von den differenzierten Wirkungszusammenhängen (Ursachen) der einzelnen Faktoren wächst in einem Tempo, das für unsere Eltern noch unvorstellbar schien.
Ist Altern "normal"?
Altern und seine Folgen sind alterstypisch, insofern auch "normal". Diese Prozesse sind aber nicht erstrebenswert oder gar gesund, in diesem Sinn also "nicht normal". Sie führen zu chronisch-degenerativen Erkrankungen - und schließlich zum Tod. In diesem Sinne ist Altern mit seinen Folgen als chronische Erkrankung anzusehen.
Aus Sicht der Evolution werden von der Natur alle erdenklichen Überlebensstrategien bevorzugt, die ein Lebewesen in seiner jeweiligen Umwelt bis zur Geschlechtsreife, zur Fortpflanzung und zur Aufzucht der Jungen benötigt. Danach lässt der Selektionsdruck zur Auswahl solcher "guten, gesunden" Eigenschaften für das weitere Leben kontinuierlich nach, denn sie würden immer weniger zusätzliche Vorteile für die Verbrei- tung der Art bieten. Nachlassende Organkapazitäten und zunehmende Defekte werden nicht mehr ausreichend repariert - der Mensch welkt, schrumpft, erkrankt, d.h. er altert. Altern ist somit kein gewollter, sinn.- voller Prozess der Natur, sondern ein Vorgang, der nach der vollen Geschlechtsreife einsetzt und mangels Notwendigkeit von der Natur nicht verhindert wird.
Wir können schon etwas gegen das Altern unternehmen
Wer Altern trotzdem als "natürlich" bezeichnet, meint also nur: "Obwohl es nicht gesund und schon gar nicht erstrebenswert ist, haben wir es jahrtausendelang hinnehmen müssen, da die Menschheit bisher keine wesentlichen Einflussmöglichkeiten hatte." Heute können wir jedoch durch unseren wachsenden Erkenntnisstand erste Schritte gegen das Altern und seine Folgen einleiten.
Hormontherapie: Defizite behutsam ausgleichen
Ein Vielzahl wissenschaftlicher Forschungsergebnisse hat dazu geführt, dass wir heute besser verstehen, auf welche Weise Hormone als Botenstoffe in die Regulation und Koordination aller biologischen Körperfunktionen eingreifen - sie steuern auf subtile Art den Aufbau, Umbau und Erhalt der Organkapazitäten und Funktionsabläufe. Sinken diese Substanzen unter eine kritische Schwelle, ist mit akuten und chronischen Folgeerkrankungen zu rechnen. Die rechtzeitige, behutsame Substitution mit natürlichen Hormonen kann hier erfolgreich gegen- steuern.
Auf die Dosis kommt es an
Außerordentlich wichtig ist dabei die individuell richtige Dosierung - die benötigten Substanzen dürfen nicht zu erhöhten bzw. stark schwankenden Konzentrationen im Blut und Gewebe führen. Auch die jeweilige Anwendungsform, z.B. als Tablette oder Hautgel, kann von entscheidener Bedeutung sein. Wenn es gelingt, die "Feinsteuerung" dieser hoch wirksamen Botenstoffe in den Griff zu bekommen, können negative Folgen und unerwünschte Nebenwirkungen zuverlässig minimiert und vermieden werden. Dabei ist eine Vielzahl sehr individueller Parameter zu beachten: Tagesrhythmik, Alter, Gewicht, Gesamtzustand - jeder Stoffwechsel reagiert anders.